Pressestimmen

„Libelle“
Lesestoff für wilde Jungs und Mädchen
Im Samariterviertel gibt es immer mehr Geschäfte für die zahlreich zugezogenen Familien mit Kindern. Jüngster Neuzugang: die„Libelle“in der Bänschstraße 44.

Im Mai war Eröffnung, und schon geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Offenbar hat sich herumgesprochen, dass hier eine ganz besondere Auswahl an Kinderbüchern und Spielzeug zu finden ist. Zum Beispiel Bücher über„Regenbogenfamilien“oder Literatur zum Thema schwul-lesbische Elternschaft. Oder ein Bilderbuch über ein Mädchen mit Down-Syndrom. Es gibt ein Regal mit Lesestoff für„Wilde Mädchen“, aber auch eins für„Wilde Jungs“. Außerdem führt der Laden Kinder- und Jugendliteratur zum Thema Gewaltprävention, ein Großteil davon kommt aus dem renommierten Verlag „mebes & noack“. „Da stecken fünf Monate Arbeit drin“, erzählen die Inhaberinnen Inga Karbstein und Stefanie Maerz. Vor der Eröffnung haben die beiden sorgfältig recherchiert, was es an so genannten gender-sensiblen Büchern auf dem Markt gibt. Natürlich findet man in der„Libelle“auch Kinderbuchklassiker wie Märchen oder eine Sonderausgabe von Astrid Lindgren. Es gibt Lernsoftware und viele Bücher für Erstleser, etwa die Reihe„Das Magische Baumhaus“. Die meisten Kunden kommen aus der Nachbarschaft – es ist eben ein richtiger Kiezladen. Die große Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern auf Spanisch, Russisch, Französisch und Englisch zieht dagegen auch Kundschaft von weiter her an.

Während der vordere Teil des lindgrün gestrichenen Ladens das Reich der Bücher ist, gehört der hintere Teil dem Spielzeug. Auch hier sind echte Raritäten zu entdecken. So wurden die bunten Gummitiere aus Öko-Latex in Sri Lanka hergestellt, sie sind mit umweltfreundlichen Farben handbemalt und fair gehandelt. An der Wand hängen große Handpuppen, so genannte Living Puppets, und handgenähte Stofftiere.„Bei Spielzeug ist es uns wichtig, dass es keine Schadstoffe enthält und dass bestimmte Sozialstandards bei der Herstellung eingehalten werden, insbesondere dass keine Kinderarbeit drinsteckt“, erklären die Inhaberinnen.

Ein kleines Café gehört auch zur„Libelle“. Wer will, kann sich mit einem Kaffee, einem Kakao oder einer Bionade in die Lesecke zurückziehen und in Ruhe schmökern. Und für die Kleinsten gibt es eine Spielecke.

Die beiden Inhaberinnen hatten unabhängig voneinander schon länger mit der Selbstständigkeit geliebäugelt. Irgendwann stand fest: Wir machen es! Die Geschäftsgründung selber erfolgte dann trotz gründlicher Vorbereitung in rasantem Tempo. Von Anfang an war klar, dass der Laden entweder in Friedrichshain oder in Kreuzberg sein sollte. Beide Frauen wohnen im Bezirk und haben Kinder. Die Nähe zur Kita beziehungsweise Schule war daher wichtig. Mit der Lage in der Bänschstraße sind sie sehr zufrieden, es sei ruhig dort, der Laden liegt zwischen zwei Spielplätzen. Etwas mulmig wurde ihnen, als zeitgleich ein weiterer Spielzeugladen in der Bänsch-,Ecke Samariterstraße eröffnete. Aber mittlerweile hat man sich abgesprochen beim Sortiment.

Glück hatten die beiden Existenzgründerinnen mit ihrem Vermieter.„Ein sehr netter Eigentümer, der den Laden nach unseren Wünschen renoviert hat und von Anfang an von der Geschäftsidee ganz begeistert war“, erzählen sie. Die Stärke ihres Ladens ist neben dem speziellen Sortiment sicher auch die kompetente Beratung.„Viele Kunden sagen uns, dass ihnen das in den großen Kaufhäusern oder Spielwarenketten einfach fehlt“, sagt Stefanie Maerz. Die Diplompädagogin und ihre Kollegin kennen praktisch jedes ihrer Bücher, sie sind über Neuerscheinungen auf dem Laufenden und wenn das Gesuchte mal nicht im Regal steht, können sie es sofort bestellen. Und für alle Geburtstagskinder aus der Umgebung haben sie sich etwas ganz Besonders ausgedacht: den Wunschkorb-Service. Vor der Kassentheke stehen mehrere solcher Körbe mit Namensschildchen, prall gefüllt mit Spielsachen und Büchern, die die Eltern ausgesucht haben. Verwandte oder Freunde, die auf der Suche nach einem Geschenk sind, können sich daraus etwas auswählen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass die Kinder etwas bekommen, das sie sich wirklich wünschen. Auch lange Gesichter beim Auspacken des fünften Waschlappens mit Piraten-Motiv werden so vermieden.

Kinderbücher in Fremdsprachen, fair gehandeltes Spielzeug: Der Laden von Inga und Stefanie hat, was nicht alle haben.

Libelle Bänschstraße 44
TEL: 4172 49 96
Fax 4172 62 58
www.libellekinderland.de
info@libellekinderland.de
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.30 bis 18 Uhr (oft auch länger), Samstag 10 bis 14 Uhr

aus: Friedrichsshain - Zeitschrift für Stadterneuerung, September 2007 unter: www. friedrichshain-magazin.de